RHEINPFALZ-Interview zur Lage der CDU-Römerberg

02.11.2026
"Wie steht es um die CDU in Römerberg?"

 DIE RHEINPFALZ  - Nr.254 - Rubrik LAND vom Montag, 02.11.2026

 INTERVIEW: Die CDU in Römerberg gibt es seit 80 Jahren.
 Zum Jubiläum ordnet ihr Vorsitzender Heinz-Peter Sauer die Situation seiner Partei ein. 
 - Timo Leszinski hat mit ihm über Verkehr, junge Mitglieder und die nächste Bürgermeisterwahl gesprochen.

 Herr Sauer, die CDU Römerberg feierte jüngst ihr 80-jähriges Bestehen. Auf Bundesebene erlebt die Partei derzeit schwierige Zeiten. Ist Ihnen trotzdem nach Feiern zumute?
 
Die CDU Römerberg kümmert sich um die Gestaltung und Entwicklung der Gemeinde Römerberg. Hier haben wir in den vergangenen 80 Jahren wesentlich dazu beigetragen, dass Römerberg heute eine lebens- und liebenswerte Wohlfühlgemeinde mit einer tollen Infrastruktur, mit begehrten Wohnflächen und vielen jungen Familien ist. Auf diese erfolgreiche Arbeit können wir mit einem guten Gefühl zurückblicken und deshalb ist das Jubiläum für uns auch ein Grund zu feiern.

Was sind für Sie die Hauptgründe, für das momentane Umfragetief? Wie kommt die CDU da wieder raus?
 
Das aktuelle Umfragetief betrifft die CDU auf Bundesebene, die dort die Verantwortung übernommen hat, unpopuläre Probleme anzugehen und dringend notwendige Reformen im Sozialbereich anzustoßen und umzusetzen. Einige sozialpolitische Entscheidungen der Vergangenheit sind heute nicht mehr finanzierbar. Wichtig ist in diesem Kontext, dem Wähler die Notwendigkeit der zukunftsorientierten Reformen klar und verständlich zu kommunizieren. Dazu gehört auch, dass die Koalitionspartner nach außen geschlossen auftreten und die Kompromisse, die in einer Koalition zwangsläufig gefunden werden müssen, gemeinsam vertreten.
 
 Blicken wir auf Römerberg: Wie ging es vor acht Jahrzehnten los?
Im Frühjahr/Frühsommer 1946 fanden mit Genehmigung der französischen Militärbehörde die Gründungsversammlungen der CDU in Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim statt. Bei den ersten freien Kommunalwahlen am 15. September 1946 wurde die neu gegründete CDU in allen drei Orten die stärkste politische Kraft. Von den Anfängen 1946 über die Gründung der Einheitsgemeinde Römerberg im Jahr 1969, über die vorgegebene Fusion zur Verbandsgemeinde im Jahr 2014 hat sich die CDU Römerberg stets als Anwalt der Bevölkerung verstanden und dementsprechend mit Herz, Verstand und Verantwortung gehandelt.

Was waren die wichtigsten Meilensteine Ihrer Partei?
Der Bau der damaligen Hauptschule Berghausen, des Kreishallenbads in Römerberg und der Rhein-Pfalz-Halle als Mehrzweckhalle. Der Erhalt des Naherholungsgebiets in Mechtersheim, der Ausbau der Ortsmittelpunkte und die Ansiedlung von drei Lebensmittelmärkten und nicht zuletzt der Bau und die Fertigstellung der siebten Kita sowie weitere andere wichtige Projekte. Einziger Wermutstropfen sind die Vergeblichkeitserfahrungen bei der Verkehrsproblematik. Da sind zum Beispiel die Ortsrandstraße, die Bahnunterführung in Berghausen, der Ausbau des Radwegs zwischen Heiligenstein und Berghausen sowie in Richtung Lingenfeld zu nennen. Bei diesen Projekten sind wir jedoch fremdbestimmt.

Römerberg ist traditionell eine CDU-Hochburg, hat seit 2019 aber einen grünen Bürgermeister. Bei der letzten Bürgermeisterwahl gab es noch nicht einmal einen CDU-Kandidaten. Wie will die Partei hier wieder zu alter Stärke zurückfinden?
 
Die Wahl des Bürgermeisters ist eine Direktwahl und unterscheidet sich von den Wahlen zum Gemeinderat sowie zum Verbandsgemeinderat. In diesen Gremien, in denen die Politik gemacht wird, ist die CDU immer noch die stärkste politische Kraft. Dass die CDU bei der letzten Bürgermeisterwahl keinen eigenen Kandidaten gestellt hat, liegt hauptsächlich daran, dass der Bürgermeister nebenamtlich, also ehrenamtlich, tätig ist. Wenn man die Aufgabe als Bürgermeister einer Gemeinde mit knapp 10.000 Einwohnern verantwortungsvoll ausüben möchte, muss man entweder aus dem Berufsleben aussteigen oder Rentner beziehungsweise Pensionär sein. Hier ist es an der Zeit, dass die Landesregierung umdenkt. Dann werden sich auch bei uns wieder mehr Bewerber für dieses Amt finden. Nichtsdestotrotz ist es das erklärte Ziel der CDU Römerberg, bei der nächsten Bürgermeisterwahl wieder einen eigenen, geeigneten Kandidaten zu stellen.


 Die Gemeinderatsfraktion ist seit Jahren von älteren Mitgliedern dominiert. Gibt es keinen Nachwuchs? Gibt es Versuche, junge Mitglieder zu gewinnen?
 
Es ist in der heutigen Zeit nicht einfach, junge Menschen für die Kommunalpolitik zu begeistern und zu gewinnen: Familie, Beruf, Hobbys haben Priorität. Zunehmende Bürokratie führt zu Frustration und Enttäuschung. Eine Entwicklung mit der, seit Corona verstärkt, fast alle Vereine zu kämpfen haben. Dennoch haben wir in der aktuellen Fraktion jüngere Mitglieder und haben in den vergangenen Monaten weitere jüngere Mitglieder gewonnen, die bei der nächsten Kommunalwahl für die CDU kandidieren werden. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten mit konkreten Aktionen und Maßnahmen versuchen, weitere junge Mitglieder zu gewinnen.

Zur Person

Heinz-Peter Sauer ist seit vergangenem Jahr Vorsitzender der CDU in Römerberg. Der pensionierte Lehrer ist zeitlebens ehrenamtlich engagiert – unter anderem bei den Maltesern, im Pfarrgemeinderat, im Fußballverein, bei der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage und als Schiedsmann der Gemeinde Römerberg. Sauer ist Mitglied im Gemeinderat sowie im Verbandsgemeinderat Römerberg-Dudenhofen.

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